Projekthintergrund

Fragen nach gesellschaftlicher Verantwortung gewinnen in einer rasant komplexer werdenden Welt zunehmend an Bedeutung. Sie werden in so vielfältigen Bereichen wie Erziehung, Forschung, Religion, Verwaltung, Politik, Medizin und Wirtschaft gleichermaßen thematisiert und stellen uns vor schwierige Entscheidungen: Nach welchem Ermessen entscheidet ein Arzt vor dem Hintergrund fortgeschrittener medizinischer Möglichkeiten über Leben oder Tod eines schwerkranken älteren Patienten? Wie weitreichend können die Folgen des wirtschaftlichen Handelns eines Großkonzerns für die Bevölkerung eines Landes oder die globale Umwelt sein? Nicht selten geraten ganze Berufsgruppen oder Organisationen durch das unethische Verhalten Einzelner in gesellschaftliche Kritik oder verlieren ihre Glaub- und Vertrauenswürdigkeit.

Angesichts des zunehmenden Gewichts ethischer Fragen für den Einzelnen und die Gesellschaft, gewinnt auch die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme an Bedeutung: Um verantwortlich und werteorientiert handeln zu können, muss die Urteilskraft des Einzelnen geschult sein.

Angesichts dieser hohen Bedeutung ethischer Fragen fordert der Akkreditierungsrat für die Konzeption von Studiengängen die Orientierung an ethischen „Qualifikationszielen“: Demnach liegen neben der „wissenschaftlichen Befähigung“ und der „Befähigung, eine qualifizierte Beschäftigung aufzunehmen“, zwei wesentliche universitäre Qualifikationsziele in der „Persönlichkeitsentwicklung“ und in der „Befähigung zum zivilgesellschaftlichen Engagement“. Auch das Hochschulrahmengesetz (HRG) nennt in § 7 als Ziel: „Lehre und Studium sollen den Studenten“ (…) „zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat“ befähigen.

Auf dem Arbeitsmarkt zählen diese Qualifikationsziele in besonderem Maße: Vielen Unternehmen sind Sozial- und Verantwortungsfähigkeiten sowie eine gereifte Persönlichkeit bei Mitarbeitern wichtiger als das konkrete Fachwissen oder typisch ökonomische Kompetenzen. Das ergab eine Untersuchung des Dachverbandes der Industrie- und Handelskammern von 2008 zu den Erwartungen der Wirtschaft an Hochschulabsolventen. Andere Untersuchungen zeigen, dass ethisch-soziale Kompetenzen zu den besten Prädiktoren für erfolgreiches berufliches Handeln zählen.

Universitäten und Hochschulen sind in diesem Qualifizierungsprozess eine tragende Säule. Sie bilden die Urteilskraft junger Menschen – gerade derjenigen, die später einmal Führungspositionen in der Gesellschaft übernehmen – maßgeblich aus. Viele Universitäten und Hochschulen nehmen sich der Thematik aktiv und engagiert an, das Qualifikationsziel der gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme ist fester Bestandteil ihres Lehrangebots.

Dennoch stellen die Projektinitiatoren von VerANTWORTung leben und das Wertebündnis Bayern folgenden Entwicklungsbedarf fest: Viel universitäres Engagement auf diesem Feld findet fernab des Scheinwerferlichts, im Schatten der Öffentlichkeit statt. Gefordert ist deshalb ein öffentlich sichtbarer, breit vernetzter und interdisziplinärer geführter Dialog, der zeigt, dass die Befähigung junger Menschen zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung fest in der Mitte Bayerns verankert ist.


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